I solve crimes and blog about it

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Montag, 12. Januar 2026

"Der Löwe Christian ~ unser verrücktes Leben mit einem Löwen in London" von Anthony Bourke & John Rendall

 Wirklich erinnern kann ich mich an den Medienrummel um den Löwen Christian nicht, war er doch weit vor meiner Zeit. Meine Plüschlöwin heißt seit Kindertagen allerdings Elsa, die mutmaßlich weitläufig mit Christian verwandt ist, darum habe ich wohl etwas davon aufgeschnappt. Die Geschichte von Christian, der 1969 gemeinsam mit seiner Schwester im Londoner Nobelkaufhaus Harrods als "Ware" angeboten wurde und von zwei australischen Studenten gekauft wird, die keine Ahnung im Umgang mit Wildtieren, aber dafür ein großes Herz haben, ist jedenfalls Kult.

 


 

Inhalt: Anthony "Ace" Bourke und John Rendall aus Sydney kommen in den späten 1960er Jahren nach England und arbeiten in Kensington/Chelsea in einem Antiquitätenladen. Als sie einen Abstecher ins Kaufhaus Harrods machen, entdecken sie in der Zooabteilung einen kleinen Löwen, den sie sofort ins Herz schließen. Trotz ihrer bescheidenen finanziellen Mittel erwerben sie Christian, der fortan die Sensation im Viertel ist. Vormittags gehen die drei zu einem weitläufigen Garten zum Spielen, später sorgt Christian für Heiterkeit, Begeisterung und kleine Verkehrsunfälle, wenn er majestätisch im Schaufenster sitzt und vorbeifahrende Passanten erschreckt. Er ist ein verblüffend sanfter und zugewandter Löwe, der Menschen freundlich begrüßt und Kinder liebt, Zuneigung gibt und empfängt und auch Aufmerksamkeit einfordert.  

Bei aller Liebe zu Christian vergessen Ace und John nie, dass sie sich geschworen haben, ihn irgendwann in die Freiheit auszuwildern, um ihm das Schicksal eines Zoos oder Zirkus zu ersparen. Schneller als gedacht ist es soweit, denn Christian wächst und gedeiht, und der Medienrummel, der mittlerweile um die Drei entstanden ist, empfinden die Männer als übertrieben. Nach langer Vorbereitungszeit und bangem Warten, wann es soweit ist, erhält Christian ein Ticket nach Kenia ins Auswilderungszentrum von "Löwenflüsterer" George Adamson, und somit die Chance, bei seinen Artgenossen ein Rudel aufzubauen.

 


 

 Meinung: Ich fand die Geschichte großartig. Unglaublich und fast wundersam. Der Löwe wurde nach seiner Auswilderung, die man als geglückt betrachtet, noch zweimal von Ace und John besucht, in den Jahren 1971 und 1972. Die erweiterte Neuauflage des Buches entstand nach dem Viralgehen eines Clips auf Youtube, der ihr Wiedersehen dokumentiert. Christian stellte den beiden seine neue Familie vor, doch seine alte hat er nie vergessen. Es war verblüffend, wie "menschlich" Christian sich oft verhielt. Die Unberechenbarkeit, die man Raubtieren nachsagt, musste er sich erst in Afrika aneignen, um zu überleben. Dort kam es dann leider manchmal zu unschönen Vorkommnissen, wie das halt so ist in der Tierwelt (und auch in der Menschenwelt). Doch das Christians Rudelfreund Boy erschossen werden musste, weil er nach Jahren der Nähe von Menschen und reibungslosem Zusammenleben einen afrikanischen Helfer angriff, war starker Tobak. Auch Christian - obwohl von gewinnendem und friedfertigen Wesen - zeigte nach der Eingewöhnungszeit in Afrika löwentypisches Verhalten und musste mit Vorsicht behandelt werden. Er hat offenbar irgendwann sein Territorium bei George Adamson verlassen, weil es ihm zu klein wurde; es ist nichts Gegenteiliges bekannt. Heute hätte man Christian einen Tracker angelegt, doch ich denke mal, die Technik war Anfang der 70er noch nicht soweit.

Bewunderswert sind jedenfalls der Mut und die Zielstrebigkeit der jungen Australier, dem Löwen ein gutes Leben zu ermöglichen. Dafür nahmen sie manchen "Ungemach" in Kauf, u. a. auch die Abgabe von Christian an eine Filmgesellschaft, die jedoch nur symbolischen Charakter hatte. Beide Männer sind / waren weiterhin mit Auswilderungsprogrammen beschäftigt und haben sich mit Ureinwohnerkunst befasst.

Was mich ein bisschen gestört hat, war die nüchterne und sachliche Erzählweise, denn es schimmert doch zwischen den Zeilen durch, dass Ace und John sehr an Christian hingen und nicht nur diesem der endgültige Abschied schwerfiel. Ein bisschen mehr Geschichten um Christian hätte ich mir gewünscht, die ins Detail gingen, und das gab es eigentlich keine. Dafür war der Stil zu allgemein gehalten. Was mich sehr berührt hat waren die Fotos in der Mitte des Buches, die Christian als Kinderstar für Werbung und als König in seinem Reich "World's End" und später in Kora / Kenia zeigen. Ich wünsche mir sehr, dass er noch ein schönes, langes Leben hatte in freier Wildbahn. Und dass er nun mit seinem Freund John Rendall im himmlischen Garten herumtollt und sich ganz viele Streicheleinheiten abholt, bis auch Ace durchs Tor tritt und sie wieder zusammen sind.

 

Bewertung:  🦁🦁🦁🦁 und ein halber 🦁

 




Donnerstag, 8. Januar 2026

Rezension "Der Klang des Pianos" ~ Elisabeth Büchle

 Mit Romanen über die Titanic kann man mich ködern. Die Zeit, das Setting, die menschliche Verstiegenheit, etwas praktisch Unzerstörbares zu bauen, das schon beim ersten "Test" untergeht und die unglaubliche Tragödie sind Komponenten, die mich magisch anziehen. Trotzdem: Nicht alles, was mit der Titanic zu tun hat, begeistert mich. Dieses Buch jedoch schon. Es hatte einen ähnlichen Effekt auf mich wie Eric Fosnes Hansens "Choral am Ende der Reise"

 


Inhalt: April 1912: Der junge ehrgeizige Instrumentenbauer Richard Martin aus Freiburg erhält von seinem Arbeitgeber Welte einen lukrativen Auftrag. Er soll pneumatisch selbstspielende Pianos und Orgeln in den Luxusliner RMS Titanic einbauen. Im Rahmen seiner Tätigkeit lernt er Norah Casey kennen, eine lebenslustige, energiegeladene und stets hilfsbereite Stewardess aus Irland, und wird zudem in die feinen Kreise der Upperclass eingeführt. Der Kontrast zwischen dem entbehrungsreichen, oft tristen und kriminellen, aber lustigen Leben in Belfasts dunklen Gassen und der vornehmen Gesellschaft macht es Richard schwer, sich für eine Seite zu entscheiden, zumal die schöne und wohlhabende Helena Andrews ein Auge auf ihn geworfen hat. Für den beruflich nach Höherem strebenden Richard das Ticket zum Glück. Doch da ist auch Norah, die nicht nur durch ihre Grübchen fasziniert und in etwas verwickelt zu sein scheint, das männlichen Beistands bedarf.

Ihre Tätigkeit als Stewardess auf der Titanic wird von einer dringenden Nachricht an sie vereitelt, während Richard als unfreiwilliger Passagier mit Norahs Bruder Adam und dessen Freund Dylan die Überfahrt nach New York antritt. 

 

David_Do / Pixabay

Meinung: Eigentlich lese ich Liebesgeschichten nicht so gern. Diese hat mir gut gefallen, da sie durch das zwar eher hintergründig, aber doch präsente Thema des Glaubens nicht kitschig oder zu aufdringlich war. Die Kapitel sind mit fortlaufender Dauer wechselseitig; das heißt man erfährt etwas von Norah, wie sie ihren Kriminalfall in Belfast mit Hilfe ihrer zahlreichen Freunde löst, und im nächsten Kapitel Richards "Abenteuer" auf der Titanic, deren Pomp und Weitläufigkeit zu untypisch männlicher Orientierungslosigkeit führt. Gut, dass der Matrose Adam und Heizer Dylan sich auskennen. Zwar sparen sie nicht mit gutmütigen Scherzen auf Kosten des korrekten Deutschen, doch Richard fühlt sich gut aufgehoben. 

Als er erfährt, dass Nora in gefährlicher Mission von Bord musste, ist er zwar beunruhigt, kann jedoch nur hoffen und beten, dass sie sich nicht zu Dummheiten hinreißen lässt. Er lernt einige Passagiere kennen und genießt die Reise, bis ihn mitten in der Nacht eine Vollbremsung des Schiffes weckt...

Ich war lieber mit Richard unterwegs als bei Nora mit ihren Freunden, weil ich ihr verzwicktes Dilemma aus Bordellen und einem Kunstraub nicht wirklich verfolgen konnte und mir das alles ein bisschen an den Haaren herbeigezogen vorkam. Vor allem die Sache mit der sogenannten "Doppelgängerin" wirkte recht konstruiert. Ich fand das Buch dennoch sehr spannend und habe mich darauf gefreut, jeden Abend ein paar Kapitel zu lesen. Die Figuren waren bis auf die etwas klischeehafte Helena sympathisch und nachvollziehbar. Informativ waren die Erklärungen zu historischen Personen und technischen Details des Schiffes im Anhang. Da hat die Autorin viel Herzblut einfließen lassen.

Ein paar Geschichten wie die der selbstlosen Heizer, zu denen der fiktive Dylan gehörte, haben mich fast zu Tränen gerührt. Ein gut recherchiertes Buch mit einer ungewöhnlichen Geschichte, dem ich vier White Stars vergebe.

 

Bewertung: ✩✩✩✩

 

 

Dienstag, 6. Januar 2026

Furchtlos zum Himmel ~ Leseprobe.

 Weshalb ich dieses Buch einige Zeit nicht mochte, verstehe ich nicht mehr, seit ich es im letzten Sommer von vorne bis hinten durchgelesen habe. Über 590 Seiten in weniger als einer Woche, so spannend und toll fand ich es. "Klar", werden viele sagen. "Du bist schließlich die Autorin." So klar ist das gar nicht. Denn man selbst ist mit seinen Werken in der Regel am kritischsten.

 


Diese Geschichte ist unter meinen älteren zu finden, so dass mich mein wohlwollendes Gesamturteil vom letzten Jahr verblüfft hat. Denn vieles, was man in jugendlichem Überschwang fabriziert, ist einem oft später peinlich. 

Wie akribisch, wie ausführlich und auch dramatisch ich diese Reise mit dem verbundenen Wagnis beschrieben habe, ohne in Person oder Zeit dabeigewesen zu sein, das ist schon erstaunlich. Da war ich in der Tat von mir beeindruckt... 

Die Leseprobe verlinke ich hier mal: *Klick* 

Ich wünsche viel Spaß und würde mich unheimlich freuen, wenn der doch recht lange Ausschnitt von diesem außergewöhnlichen Männerabenteuer Lust auf mehr macht...

 

Freitag, 2. Januar 2026

Fairlight ~ Leseprobe

 Seit "Fairlight" ein so tolles neues Cover hat, mag ich es noch mehr als vorher. Die Idee, beide Brüder auf den Umschlag zu drucken, fand ich grandios. Zwar sehen beide Männer nicht unbedingt so aus, wie ich sie mir vorstelle, doch sie kommen dem schon recht nahe. Eine Freundin meinte, sie sähen wie Brüder aus, ohne dass sie den Inhalt des Romans kannte. Das hat mich natürlich sehr gefreut!

Der folgende Text ist eine Leseprobe, denn die habe ich in letzter Zeit etwas vernachlässigt. Der neunzehnjährige Florey besucht seinen durch Stacheldraht verletzten Bruder Francis, dem es ein Dorn im Auge ist, dass Florey sich mit einem der zufälligen Besucher auf Fairlight House angefreundet hat. Dafür hat er durchaus seine Gründe... doch die kann er dem Bruder nicht erklären, ohne ihn zu verunsichern.

 

 

Leise wie eine Katze stahl sich Nellie Whitcombe in den Stall und die Leiter hinauf; Finnigan schaufelte sinnlos einen Ballen Heu nach dem nächsten von einer Ecke in die andere, die beiden Paddys waren nirgends zu sehen. Sie atmete auf; den rohen Stallknechten begegnete sie mit Bedacht. Ihre Witze trafen nicht unbedingt den Nerv eines weiblichen Geschöpfes. Sie mochte nicht so verzärtelt wirken wie die feinen Stadtdamen, doch auch sie besaß Gefühle, die schnell verletzt wurden. Zwar war auch Francis mitunter ein regelrechter Kindskopf, aber dabei vom Liebreiz eines Jungen, nie beleidigend oder grob, während Jones und O’Teale mit Vorliebe Anspielungen auf ihren mageren Körper in gehässiger Manier zum besten gaben, die sie nicht selten Hals über Kopf in ihre Kammer flüchten ließen, wo sie stundenlang ihre vermeintliche Unattraktivität betrauerte.

Oben auf dem Speicher lag, halb verdeckt von Stroh, der kleine Eugene. Obwohl nur wenige Jahre jünger als sie, löste sein Anblick wie immer mütterliche Instinkte in ihr aus. Sachte rüttelte sie an seiner Schulter. Florey schlug nach ihr, wie man eine lästige Fliege vertreibt; er war noch nicht vollständig wach.

"Master Eugene!"

"Hm?"

"Master Francis will Sie sehen. Er sagt, es tut ihm leid."

Flink war Florey auf den Beinen. "Geht es ihm gut?"

Nellie zuckte die Achseln. Francis zog es, wie alle Fairlights, vor, still vor sich hinzuleiden.

 


Die abenteuerliche Mischung der Gerüche aus Blut, Eiter, Salbe und scharfem Whisky in Francis' Zimmer veranlasste Florey dazu, zum Fenster zu rennen und es sperrangelweit aufzureißen, bevor er sich auf den Bruder konzentrierte. Er sah so verletzlich aus in dem großen Bett, ein wenig wie tot. Die Scheu vor Kranken ließ Florey an die Tür zurückweichen. Es verstörte ihn, seinen großen Bruder in solch einer Lage zu sehen; seine Welt geriet ins Wanken, als er Francis' bleiches, eingefallenes Gesicht betrachtete.

"Florey“, lächelte Francis; plötzlich blitzte der alte Francis hervor, ein schelmischer, sorgenverbergender Gefährte, mit dem man Pferde stehlen konnte. "Komm her zu mir und mach' nicht so ein Gesicht, als läge ich im Sterben."

Die Schranke in Floreys Denken brach; ungestüm warf er sich auf Francis, umhalste ihn und weinte laut.

"Was ist denn? Nicht... lass das Weinen. Sonst weine ich mit und hasse mich dafür."

"Oh, Francis! Bestimmt straft mich Gott, weil ich Dobbs' Bekehrungsgerede satt habe und weil ich so schlecht bin! Ich will nie mehr etwas tun, das dir nicht gefällt."

Das Gewicht des Knaben auf der Brust schmerzte; Francis bedeutete ihm, sich aufzusetzen. Er schaute ihn emphatisch an und strich ihm das Haar aus dem Gesicht. "Das ist Blödsinn. Ich liebe dich so wie du bist, das weißt du doch. Du sollst dich nicht ändern. Ich bin derjenige, der Abbitte leisten muss. Es tut mir leid, dich geschlagen zu haben. Es ist nur – verflucht, ich habe solche Schmerzen, Florey, ich möchte mit dem Schädel an die Wand, nur um sie für eine Sekunde zu vergessen. Wenn ich zu heftig reagiere, liegt das nur daran, verstehst du? Außerdem, Florey, und das ist sehr, sehr wichtig, was ich dir jetzt sage, deshalb spitz' die Ohren: bitte gehe nicht mehr mit diesem Raeburn alleine irgendwo hin. Du würdest mir das Herz brechen. Ich hatte Angst um dich, als ihr weg wart."

"Du hattest Angst? Wegen Dr. Raeburn?"

Francis nickte, in seinen Augen flackerte es.

"Das musst du nicht. Er ist wirklich nett –"

Ein ungehaltenes Zischen ließ Florey verstummen, er streichelte die Hand seines Bruders und wartete darauf, dass Francis sich beruhigte. Schließlich schluckte dieser und schloss die Augen.

"Ich weiß, dass er nett ist. Gerade deshalb musst du aufpassen. Nette Menschen sind selten das Vertrauen eines anderen wert. Sie verfolgen eine eigennützige Absicht, wenn sie sich freundlich gebärden. Bitte gib mir dein Versprechen, Florey."

"Welches Versprechen? Ehrlich, Francis, ich verstehe dich nicht ganz..."

Francis ballte die Hände zu Fäusten; er hatte schon damit angefangen, ihm Florey abspenstig zu machen, dieser Raeburn. Da kannte er sich wohl aus. Francis schalt sich einen Narren; der Name hätte ihm gleich zu Beginn etwas sagen müssen. Aber Raeburn war kein auffälliger Familienname, und es war neblig gewesen, so dass Francis nicht in der Lage gewesen war, das Gesicht des Doktors zu manifestieren. Zudem lagen sechzehn Jahre dazwischen. Die markante Stimme und die einfühlsamen Hände allerdings ließen keinen Zweifel offen. Wahrscheinlich hatte Francis ein bisschen mit dem Feuer spielen wollen. Kleine Sünden bestraft der Herr sofort, wie Pfarrer Dobbs – um Bibelsprüche nie verlegen - so schön zu sagen wusste. War es eine Sünde, drei Fremden Obdach zu gewähren? In Zukunft würde er niemanden mehr aufnehmen. Flehend nahm er Floreys Hände in die seinen.

"Es ist egal, ob du es verstehst oder nicht! Ich möchte nicht, dass du weiteren Umgang mit ihm pflegst."

Aus Rücksicht auf Francis' desolate Verfassung tendierte Florey zur Kapitulation.

"In Ordnung. Du musst dich nicht aufregen. Ich liebe dich, Francis." Er beugte sich vor, um den Bruder auf die Stirn zu küssen; in diesem Moment betrat Thorpe schwungvoll den Raum.

"Oh, ich – ich gedachte nicht –"

"Sie stören nicht“, half ihm Francis. "Ich warte seit einer Ewigkeit auf einen von euch elenden Kurpfuschern. Haben Sie Morphium dabei?"

 

Montag, 29. Dezember 2025

Zum Jahresende ein Gedicht

Dieses Gedicht soll allen Trost geben, für die das Jahr 2025 nicht so gut gelaufen ist.  Die jemanden verloren haben oder nicht wissen, wo sie gerade stehen im Leben. Ich finde immer Trost und Hoffnung darin, dass unser irdisches Leben eine Reise zu etwas viel Größerem ist. Das glaube ich wirklich, auch wenn es manchmal schwerfällt. Uns allen ist die Ewigkeit ins Herz gelegt von unserem Schöpfer, nach dem wir uns sehnen, denn bei ihm werden wir das erleben, was in der Welt oft unmöglich scheint: Friede, Glück, Freude und vor allem Liebe in allen Menschen und Dingen. 

 
Man sagt so einfach Gute Nacht
Auf dass man am Morgen wieder erwacht
Doch das ist nicht selbstverständlich
Unser Leben hier ist endlich
 
Einen Ort gibt's nach dem wir streben
Und wo wir dann ewig leben
In Freude und Gelassenheit
Es herrscht gewiss auch keine Zeit
 
 

 
 
In der wir auf Erden sind gebunden
Wenn wir die Ruhe nicht gefunden
Der Friede wohnt über den Dingen
Man kann ihn spüren, hört ihn leise klingen
 
Manchmal, wenn wir stille sind
Ist er uns nah, wie die Mutter dem Kind
Lass ihn dir nicht rauben
Du musst nur fest dran glauben 
 
 

 
 An diesen Ort, so fern doch nah
Und mitten unter uns ganz wahr
Wir nennen ihn die Ewigkeit
Wo wir zuhaus sind alle Zeit.
 

Donnerstag, 25. Dezember 2025

Jahresresümee 2025 und Wünsche für 2026

 Traditionell kommt mein Jahresrückblick, der wahrscheinlich etwas kurz ausfällt, denn viele der Dinge und Ereignisse sind zu persönlich und privat, als dass ich sie hier teilen möchte. Es war - wie leider nicht anders zu erwarten - kein gutes Jahr. Ich vermisse Mama immer noch sehr, oft weine ich auch um den Verlust, was auch mit der veränderten Situation zu tun hat. Mein Leben hat sich in eine Richtung entwickelt, die ich nie für möglich gehalten hätte. Manchmal komme ich mir vor wie in einer Daily Soap Opera. Und frage mich dann, warum ich für meine Rolle als Drama Queen nicht wenigstens eine angemessene Gage erhalte. Scherz beiseite, denn danach ist mir eigentlich nicht zumute.

 

 

Es gab natürlich auch schöne Tage und Stunden. Die schätze ich nun - nachdem Mama weg ist - umso mehr wert. Etwas, das mich in diesem Jahr besonders gefreut hat, ist die steigende Leserzahl meines Blogs: schon jetzt sind es diesen Monat fast 11000 Klicks. Dass meine Artikel interessieren, freut mich sehr! Auch wenn ich mir dafür nichts kaufen kann...

Über Weihnachten haben wir heuer Besuch von einer Freundin aus dem Westerwald, die uns bereits das vierte Mal beehrt und die sich sehr wohlfühlt bei uns, auch wenn uns die Gastfreundschaft nicht so im Blut liegt wie Mama. Es tut gut, dass jemand da ist, der sich auch ein bisschen um den Alltag kümmert und Nicole und mir Arbeit abnimmt. An einen gedeckten Tisch zu sitzen, ist schon ein kleiner Luxus. Früher habe ich nicht darüber nachgedacht. Überhaupt war alles selbstverständlicher und entspannter, bevor Mama nach Hause zu Gott ging. Ohne sie fühle ich mich doch irgendwie verloren, denn wenn ich Rat oder Verständnis suchte, war sie zur Stelle. 

 

Mama in Spanien bei Freunden

 

 Auch bei Papas gesundheitlichen Herausforderungen hätte sie unermüdlich nach Lösungen gesucht. Ihre Energie, ihre Wärme und Freude, auch ihre Lebenslust, das alles fehlt doch sehr! Ich kenne niemanden, der annähernd das ausstrahlt, was sie hat. Darum ist ja auch jeder Mensch einzigartig, und dennoch... ich wünsche mir so oft, sie wäre wieder hier. Dann wäre sie bestimmt stolz auf Nicoles Malerei, mit der sie sich wieder intensiver befasst hat dieses Jahr und auch wirklich tolle Ergebnisse im Atelier vorzuweisen hat. Auf Papas Initiative, sich um seine Gesundheit zu kümmern und zur Ergotherapie zu gehen. Und auf die neuen Cover, die ich meinen Büchern verpasst habe, ganz ohne Gefahr der Urheberrechtsverletzung. Die Entdeckung der KI in Sachen Bildbearbeitung war da eine echt große Hilfe. 

Unten seht ihr das Porträt eines meiner Protagonisten, das ich durch eine Zeichnung generiert habe. Nun wünsche ich mir von Herzen, dass unsere Werke Liebhaber und Leser finden und auch verkauft werden. Meine finanzielle Lage wird sich ändern im neuen Jahr, so dass ich mehr denn je darauf angewiesen bin, mit dem, was ich gern mache, Geld zu verdienen. 

 

Florey aus meinem Roman "Fairlight"

 

Einige Bekannte und Freunde haben mir nahegelegt, meine eigene Geschichte aufzuschreiben und zu veröffentlichen, da sie anderen Menschen Mut machen könnte und Biografien im Allgemeinen gern gelesen werden. Da ich es wiederholt vorgeschlagen bekomme, setze ich mich vielleicht doch mal dran, wenn ich Lust und Zeit habe (beides ist nur noch in Bruchstücken im Vergleich zu früher vorhanden). Mir selbst gefallen fiktive Geschichten besser. Geschichten aus anderen Zeiten, in die man abtauchen und den Alltag vergessen kann. Wir werden sehen... ich möchte mich nicht festlegen. Irgendwie denke ich, es kommt wie es kommt. Dafür hätte ich hin und wieder gern mehr Gelassenheit. Für mich persönlich ist die Welt schwieriger geworden, das Überleben in einer Welt, in der sich die Ereignisse überschlagen, die in den meisten Fällen nicht positiv zu bewerten sind. Auf der großen und der kleinen Bühne geht's drunter und drüber. Ich wage kaum zu hoffen, dass das wieder besser wird. Viele meinen ja, die Prophezeiungen in der Bibel seien bald erfüllt und die Endzeit sei nah. Das ist sie allerdings bestimmt seit mehreren hundert Jahren. Schrecken lasse ich mich davon nicht, selbst wenn es so wäre. Dann nämlich, das weiß ich, würde ich mein Mamele wiedersehen. Bestimmt wäre ihr nicht recht, dass ich so denke, und trotzdem kann ich nicht aus meiner Haut.

 

Der Gabentisch, größer als erwartet!

 

 An den Weihnachtsfeiertagen und davor wurden wir jedoch reich beschenkt, was uns überrascht hat. Vielleicht ist es auf der Erde doch nicht so schlecht, wenn man gute Freunde hat. Und die haben wir. 



 

 

 

 

 

Freitag, 19. Dezember 2025

Das Bildnis des Grafen: Carrick Escaray und sein treues Pferd Gospodin

An früherer Stelle habe ich bereits von meinen Erfahrungen bei der Bilderstellung mit KI berichtet. Meine Cover entstanden so, meist mit einer handgezeichneten Vorlage als Basis. Dasselbe habe ich nun mit meinen Grafen ausprobiert, nur so als Spielerei. Und ich bin derart begeistert von den Ergebnissen, dass ich sie hier teilen möchte. 

 


 

Auf dem Foto ist Carrick wohl noch etwas jünger als wie zur Zeit, in der der Roman spielt. Aber schon immer hat er ein besonderes Verhältnis zu seinem Gospodin, der bereits weit über zwanzig Jahre alt ist, als Dr. Renoir und Valentine seine Bekanntschaft machen. Gospodin nimmt dem Psychologen einen Teil seiner Arbeit ab und erleichtert den kommunikativen Zugang zu dessen jungen Patienten. Das fällt sogar Dr. Renoir auf. Während sie das Moor durchqueren, wird Gospodin zu einem wichtigen Partner, der Valentine das erste Mal seit langer Zeit zum Sprechen ermutigt. 

Pferde spielen in "Das Bildnis des Grafen" und in "Fairlight" eine kleine, aber feine Rolle. Nach Katzen und Löwen sind sie meine Lieblingstiere von klein auf. Ihre Kraft und Schönheit haben mich immer fasziniert, und nicht zuletzt war ich durch eine pferdebegeisterte Verwandtschaft schon als kleines Mädchen in Ställen und bin um geduldige und standfeste Pferdebeine herumgewuselt.

 Carrick und Gospodin sind ein eingespieltes Team, doch im Roman sieht man sie nur ein einziges Mal zusammen, in dem sie Notiz voneinander nehmen, und selbst dann ist Valentine sich nicht sicher, nur geträumt zu haben. Im Stall begrüßen sich Herr und "Herr" herzlich, wobei Valentine zum ersten Mal bemerkt, dass Gospodin kein junger Spund mehr ist und Anzeichen von Gebrechlichkeit zeigt, die sonst nicht in Erscheinung treten. 

Es geht ohnehin ein bisschen unheimlich zu auf Escaray Hall. Beide Besucher - Dr. Renoir und Valentine - können oft ihren Augen und Ohren nicht trauen und schieben die unerklärlichen Vorkommnisse auf ihre traumatischen Kriegserfahrungen. Sie ahnen nicht, dass das Schloss des Grafen nicht so verlassen ist, wie es scheint... oder sitzen sie doch einem Spuk auf?

 


Hier ist besagte Stelle als Leseprobe:  

Bevor er sich den Tod holte, würde er das Pferd versorgen und dann wieder ins Haus schlüpfen. Wie dumm er war. Bestimmt träumte er, selbst da dieser Traum realistischer ausfiel als die Halluzinationen, das Inferno der Granaten und der permanenten Artillerie, von der er halb taub wurde. Am Gatter der geräumigen Box, die Valentine für Gospodin vorsah, lungerte die Silhouette eines rauchenden Gentleman herum. Der Wallach spielte verrückt, er warf den Kopf auf und ab und tänzelte auf ihn zu, wobei er gefährlich mit der Hinterhand ins Schlittern geriet. Auf einmal bemerkte Valentine dessen Gebrechlichkeit, seine steifen Beine und die Stichelhaare im stumpfen Fell. Skrupel plagten ihn, weil er den greisen Gaul so zur Eile angespornt hatte. Aber er war ihm gar nicht so hinfällig, mitleiderregend erschienen, ganz im Gegenteil, er selbst hätte ein gemächlicheres Tempo vorgezogen. Seit er abgestiegen war, war der Wallach in Sekundenschnelle gealtert. Der Herr, sich bewusst, dass Rauchen im Stall einer Sünde gleichkam, trat gewissenhaft seine Zigarette aus, wandte sich dann dem Klepper zu und fasste nach der Kandare, um ihn in seiner Ausgelassenheit zu bremsen. 

 


„Was ist denn? Du tust so, als sähest du mich zum ersten Mal seit hundert Jahren wieder. Wirst dir noch die Beine brechen ... Ist ja gut, mein Alter ...“Er streifte mit den Lippen das ausdrucksvolle Pferdegesicht, schmuste mit ihm wie mit einem lieben Freund. Die markante Strähne in seinem Haar drapierte sich wie ein Zeichen der Solidarität über das schaumbeflockte, genüsslich zuckende Maul. Da das Nasenbein des Tieres ebenfalls weiß gesprenkelt war, wurde Valentine die Harmonie zwischen Herr und Ross plastisch vor Augen geführt. Es verband ihn wohl weit mehr mit dem Gaul als der bloße Nutzen eines Reittiers. Schließlich blickte er auf und winkte Valentine zu sich heran, der am Eingang wie angenagelt war.

„Danke, dass du ihn ein bisschen bewegst. Das tut ihm gut.“

 

 

 

Dienstag, 16. Dezember 2025

Lichterglanz allerorten. Weihnachten 2025. Wieder ohne Mama.

Während ich gerade durch die Stadt ging, um für Papa etwas in der Apotheke zu besorgen, fiel es mir auf: selten war die Stadt zur Weihnachtszeit so beleuchtet wie die letzten paar Jahre. Als gelte es, einen Wettbewerb zu gewinnen, und dabei habe ich nur einen kurzen Radius zurückgelegt. Die Bäume habe ich nicht gezählt, aber es sind mindestens drei große (über 10 Meter) und ganz viele kleine, verteilt auf Fußgängerzone und Marktplatz. 

 

Vor der ev. Stadtkirche

Was ich davon halten soll, weiß ich nicht. Vielleicht ist es letzten Endes doch ein positives Zeichen, auch wenn ich es schade finde, dass so viele Bäume für diesen einen Zweck gefällt werden. Denn der Weihnachtsbaum ist ja von heidnischen zum christlichen Symbol geworden; wenigstens nennt man ihn und das Christkind meist in einem Atemzug. Vielleicht bedeutet das, dass unsere Traditionen doch noch etwas wert sind und sich nicht verdrängen lassen. Lustigerweise habe ich selbst in türkischen Barbershops Minibäumchen blinken sehen. Aber das dient vermutlich nur der Aufmerksamkeit...

Unser Weihnachten dieses Jahr haben wir noch gar nicht geplant. Eine Freundin kommt über die Feiertage für eine Woche zu uns, dann sind wir immerhin zu viert und werden eventuell ein Festmenü mit Ente zaubern. In Weihnachtsstimmung bin ich allerdings absolut nicht. Mama fehlt einfach zu sehr. Nicht nur in diesen Tagen.

 

In Mosbach während dem Weihnachtsmarkt

 

Wir versuchen, ein bisschen den weihnachtlichen Gedanken aufleben zu lassen, die frohe Botschaft zu verinnerlichen. Dass Jesus kam, um uns Ewiges Leben zu schenken, das wahrhaft größte Geschenk, das man annehmen kann. Und manchmal auch das schwerste. Denn der Mut und der Frohsinn, die einen bei dieser Nachricht immer wieder packen müssten, sind (noch) nicht zu uns zurückgekehrt. Ich weiß nicht, ob das je sein wird. Je länger Mama fort ist, desto mehr wird mir bewusst, wie viel Halt und Kraft sie der Familie gegeben hat. 

Ich freue mich immer, wenn Papa vorschlägt, irgendwohin zu fahren auf einen Weihnachtsmarkt in unserer Nähe. Eigentlich sind wir alle keine Fans von Glühwein und kalten Füßen, doch ein Ausflug sorgt für Abwechslung, und manchmal haben wir auch fast so etwas wie Spaß. Ich weiß, das klingt ziemlich düster. Irgendwie ist es das auch. Ich würde mir sehr wünschen, die trübe Stimmung vertreiben zu können, etwas mehr von Mamas positiver Art zu haben, mit der sie dem Ernst den Stachel genommen hat, etwa mit Scherzen oder einem ermutigenden Wort. 

 

Im Florapark Wiesloch
 

Obwohl ich versuche, entspannt zu sein, merke ich, dass mir die Situation ziemlich an die Nieren geht und ich auch gesundheitlich noch angeschlagen bin wie der Rest von uns. Und irgendwie nerven mich dann auch die vielen Weihnachtsbäume in der Stadt. Übrigens sind die Läden trotz Blinken und wirklich oft wunderschöner und geschmackvoller Deko für die Vorweihnachtszeit erstaunlich menschenleer. Dabei geben sich die Inhaber so viel Mühe. Bitte, wenn ihr Geschenke kauft, kauft sie vor Ort und nicht im Internet. Auch wenn's bequemer ist. Die Händler freut's. Und Weihnachten ist die Zeit, Freude zu geben und zu empfangen. 

 

 

Dienstag, 25. November 2025

Das ideale Cover!

Möchte mein Glück mit euch teilen, denn ich habe das perfekte Cover für meinen Roman "Ein Spiel zu viel" gefunden! Und zwar mit Irving Van Sanders Porträt. Erstaunlich ist der Fund in zweierlei Hinsicht: Es handelt sich bei dem Bild um einen Schauspieler in einem Theater (Opernhaus), und außerdem sieht er fast genauso aus, wie ich mir Orests großen Bruder vorstelle. Wer seine Personenbeschreibung liest, wird verblüfft sein. Und er hat auch zwei Gesichter, wie das die Maske impliziert. Ich bin echt happy! Ein bisschen herumgeschraubt habe ich noch, damit es meiner Vorstellung mehr entspricht. 

 


Früher hätte ich gesagt, ein Nackenbeißer... so sahen doch immer die Kerle auf Groschenromanen aus, die eine ihnen zu Füßen liegende vollbusige Blondine anschmachten und umgekehrt.😏 Aber nun finde ich es total cool und absolut passend. So ändert sich der Geschmack. 

Besser noch gefällt mir die Printbuchausgabe, doch ich habe vergessen, einen Screenshot zu machen, und die neuen Ausgaben werden erst in den nächsten Tagen sichtbar sein auf Amazon, so dass ich mich mit der ebook-Ausgabe zufriedengeben muss. Ich kann's kaum erwarten, bis sie zu bestellen sind. 

Nachfolgend noch die tolle Rezension von Petra vom Witch-Journal . Ihr hat das alte Cover auch sehr gut gefallen, doch ich bin sicher, sie stimmt mir zu, dass dieses mindestens ebenso Lust macht, das Buch zu lesen: 

 

Mr. Blakes Schäfchen / Pixabay, ELG21

 

Petras und Jaspers Meinung zu "Ein Spiel zu viel": 

Christine Wirth hat einen faszinierenden Roman geschaffen, dessen Story super umgesetzt wurde und den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. Dieses Buch ist mehr als nur eine Lektüre – es ist ein tiefes Eintauchen in eine Geschichte, die man noch lange mit sich herumträgt. Die Autorin entführt uns in ein spannendes Netz aus Intrigen, in dessen Zentrum das schlechte Spiel steht, das der mysteriöse Irving treibt. Die Geschichte ist so komplex und vielschichtig, dass der Leser tief in das Geschehen eintaucht. Man spürt, dass sich Christine Wirth sehr intensiv mit der Story auseinandergesetzt hat, denn jeder Handlungsstrang ist sorgfältig verwoben und logisch aufgebaut.

Ein besonderes Highlight ist die malerische Kulisse: Die Landschaften an der Südwestküste Englands werden so lebendig beschrieben, dass man sie unmittelbar vor dem geistigen Auge sehen kann. Die raue Schönheit der Küste verleiht der Geschichte eine ganz besondere Atmosphäre. Ebenso überzeugend sind die Charaktere, die jeder ein eigenes Leben zu haben scheinen. Sie sind hervorragend eingesetzt und verleihen der gesamten Handlung Tiefe und Glaubwürdigkeit. Man fühlt mit ihnen mit, leidet und hofft mit ihnen. Der Schreibstil von Christine Wirth ist flüssig, bildhaft und äußerst fesselnd. Er trägt dazu bei, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Das zum Buch prima passende Cover rundet das Gesamtbild ab und lädt förmlich zum Lesen ein. Ein großartiges Buch, das man uneingeschränkt empfehlen kann. Von solchen tiefgründigen und atmosphärischen Büchern wünscht man sich als Leser gern mehr! Vielen Dank, liebe Christine.





 

 

 

Montag, 24. November 2025

Auffrischung meiner Romane

In den letzten Tagen habe ich mir ernsthaft Gedanken um die Verzaufszahlen meiner Romane gemacht. Wenn ich brutal ehrlich bin, sind die praktisch nicht vorhanden. Trotz Werbung auf Facebook, regelmäßigem Posten und Gewinnspielen auf meinem Blog läuft so gut wie nichts. Das Interesse ist mäßig, und das enttäuscht mich manchmal schon, wobei ich sagen muss, dass ich mittlerweile besser damit umgehen kann als zu Beginn der Veröffentlichungen. 

 



Dennoch finde ich es schade, dass meine Bücher so wenig Leser/innen erreichen. Außer die Biografie über Mama, die vor allem lokale und familiäre Beachtung genießt und darüber hinaus viele fremde Herzen berührt. 

Als neulich eine Freundin zu Besuch war, fragte ich sie, was ich denn noch tun könnte, um meine Bücher mehr in den Fokus zu rücken und zu bewerben. "Frag' doch mal die KI", war ihre Antwort. Hm. Na gut. Das habe ich dann auch getan. Die Tipps, die Gemini ausgespuckt hat, habe ich sorgfältig gelesen und festgestellt, dass ich sie alle schon ausprobiert habe - aber vielleicht nicht ausdauernd genug dabei war. Allerdings sitzt das Geld nicht so locker, dass ich ständig Werbeanzeigen schalten könnte. Eine Idee hat mich trotzdem nicht losgelassen. Die Covergestaltung. Auf die hat er nämlich ordentlich beharrt, der Gemini. Was mich dazu brachte, auf Facebook nachzufragen, wie meine Cover auf potentielle Leser wirken. Das Ergebnis war: Bieder. Altbacken. Und mit dem objektiven Blick einer Unbeteiligten musste ich dem zustimmen. Ich mochte meine Cover bis dato und dachte auch immer an den Spruch "Don't judge a book by its cover", falls es mal wirklich nicht gefallen sollte. Der Inhalt zählt, meinte ich. 

Aber das, ich sehe es ein, ist irgendwie nicht mehr zeitgemäß oder vereinbar mit dem, wie Bücher heute ausgestattet sind. Viele sind richtige Kunstwerke, wenn ich so durch die Buchhandlungen streife. Mit Farbschnitt, Prägung, Glitzer, interativem Menü und so weiter. Damit kann ich als Selfpublisher nicht dienen, aber ich kann meine Cover überarbeiten. Das habe ich getan und viel Spaß dabei gehabt. Weil ich gemerkt habe, dass der erste Eindruck sich gewandelt hat im Lauf der Zeit, in der ich Bücher schreibe.

 


Ich gebe zu, dass mir auch da wiederum die KI ein wertvolles Tool war. Denn durch den Datenschutz und Urheberrecht ist es gar nicht so leicht, ein ansprechendes Cover zu erstellen, wenn man kein Profi ist. Zwar bin ich kreativ und habe auch Hilfe bei der Gestaltung, aber die KI eröffnet doch Möglichkeiten auch für den Hausgebrauch, an die bis vor ein paar Jahren nicht zu denken war. Jedes meiner zehn Bücher hat nun auch einen Untertitel, in dem deutlich wird, um was es in der Geschichte geht. Natürlich gibt's auch noch den Klappentext. 

Es ist halt ein bisschen schwierig, wenn man als Autor/in in verschiedenen Genres unterwegs ist und kein Pseudonym zur Unterscheidung verwendet. Vielleicht liegt da mein Problem, außer der Sichtbarkeit. Wäre ich eine Fantasy- oder Liebesromanautorin, wüsste der Leser eher, auf was er sich einlässt. Ich hoffe, dass die Cover gefallen und auch neugierig machen auf den jeweiligen Inhalt. Denn als ich diesen Sommer meine Romane nach langer Zeit wieder einmal durchgelesen habe (strenggenommen das erste Mal seit Fertigstellung), fand ich sie immer noch originell und unterhaltsam. Selbstverständlich ist das nicht. Lange Zeit habe ich mich für einen bestimmten Roman geniert, und "Milan" hatte ich nur veröffentlicht, weil Mama meinte, er sei es wert. 

 


Die meisten meiner neuen Cover basieren auf Zeichnungen von meiner Schwester und mir. Milan und seine Muse zum Beispiel entstammen ebenso wie die Fairlight-Brüder einer Skizze im jeweiligen Manuskript, und auf meinem Grafen-Buch habe ich endlich Carricks Konterfei, wie es mir schon lange vor dem Gedanke an ein Buchcover vorschwebte. Sogar mit weißer Strähne im Haar.

Wenn ihr sie euch alle einmal anschauen möchtet, folgt dem Link: *Klick*

Und nicht vergessen: in vier Wochen ist Weihnachten. Vielleicht möchtet ihr euch selbst oder Freunde mit einem guten Buch beschenken. Einige meiner Romane sind im Kindle Unlimited-Programm vertreten und können kostenfrei heruntergeladen werden.

 

Montag, 10. November 2025

Flow (2024) ~ Review

Gestern sahen wir uns mit "Flow" einen Film an, von dem ich zwar nur Gutes gehört hatte, aber nie genau wusste, um was es eigentlich geht oder warum die Kritiker und Zuschauer ihn so loben. Ich dachte, es wird irgendeine Weltanschauung mehr oder weniger verbrämt dargestellt, aber als ich ihn angeschaut habe, war ich zunächst wenig beeindruckt. Obwohl der Hauptprotagonist eine Katze ist. 

 


Erst mal sehr ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig fand ich die Computeranimation und dass nicht gesprochen wird. Der Film besteht akustisch nur aus Musik und Tierlauten. Aber mit der Zeit fiel das gar nicht mehr auf. 

Der Anfang zeigt eine Katze (wohl in Südamerika), die alleine und ohne Menschen in ihrem Revier herumstreunt und sich bei Bedarf durch ein zerbrochenes Fenster des Hauses ihrer verschwundenen Menschen in einem Bett schlafen legt. Man bekommt dann recht schnell mit, dass mit den Menschen irgendetwas passiert sein muss, denn es gibt nur noch vereinzelte Tiere - und eine Flut. Daraus leitet sich der Titel des Films ab, und zugleich wirkt er - auf die Handlung bezogen - zweideutig. Denn ein bisschen Philosophie spielt doch mit hinein. Die Katze trifft auf ihrer Flucht vor dem steigenden Wasser andere Tiere in menschenverlassenen Booten, mit denen sie reist: ein Capybara/Wasserschwein, einen Labrador, einen habgierigen Lemuren und einen beschützerischen Sekretär (afrikanische Vogelart), der auch als Steuermann fungiert, nachdem er durch einen unglücklichen Zwischenfall mit seiner Herdenschar und der Katze nicht mehr fliegen kann. 

 


 

Immer wieder geraten sie in gefährliche Situationen, und hin und wieder büxt die Katze aus, um alleine durch die Gegend zu streifen oder unterzutauchen. Das waren immer Momente, in denen ich den Atem anhielt, denn ich hatte dann ein wenig Angst, sie könnte ertrinken, und tatsächlich ist sie einmal knapp davor. 

In der ersten Hälfte des Films verhalten sich die Tiere eher gleichgültig gegenüber den anderen, doch ein besonderer Moment ist der, als die Katze für alle auf Fischjagd geht. Aber von Anfang an besonders ist ein urtümlich wirkender Wal, der die Tiere auf großer Fahrt begleitet und ein Auge auf sie hat. 

"Flow" ist für mich ein Film, der - ähnlich wie "The Life of Chuck" - seine Wirkung erst nach dem Anschauen entfaltet, wenn man noch eine Weile über ihn nachdenkt. Und obwohl ich entschlossen war, nicht zu heulen (dass er emotional mitnehmen würde, hatte ich im Vorfeld irgendwo gelesen), und mir das auch ganz passabel geglückt ist, musste ich mich am Ende doch ins Klo verdrücken, um meine verräterisch roten Augen zu kühlen. 

 


Fazit: Definitiv kein Kinderfilm. Dazu wirft er zu viele Fragen auf, auf die nicht mal ein Erwachsener befriedigende Antworten findet. Der Film berührt allein durch den wachsenden Zusammenhalt der unterschiedlichen Tiere und vielleicht auch durch die Musik, die mir jedoch nicht so markant oder ätherisch vorkam, dass sie die Szenen passend unterstrichen hätte. Auch die Animation oder die hochgelobten Bilder konnten nicht so recht überzeugen. Überraschend war aber doch, dass der fehlende Dialog absolut nicht gestört hat, und dass ich zu den Tieren irgendwie eine Connection fand, die ich nicht recht erklären kann. Ich mochte jedes, und hätte sie gern alle gerettet. Den Zauber, von dem viele Zuschauer schwärmen, habe ich allerdings nicht empfunden. Vielleicht muss ich noch gründlicher darüber nachdenken...

 

Bewertung:  💫💫💫💫

 

 

 

Freitag, 7. November 2025

"Shalom Mamele" im neuen Gewand

Es war abzusehen: mein "Bestseller" Shalom Mamele erhält ein neues Cover. Das fiel mir tatsächlich schwer, denn das Foto von Mama, das sie vor den (unsichtbaren) Triberger Wasserfällen zeigt, ist mein absolutes Lieblingsbild von ihr. Genauso möchte ich sie wiedersehen, wenn wir uns im Himmel begegnen: jung, verschmitzt, humorvoll und warmherzig. Denn all das, was sie sich ihr ganzes Leben lang bewahrt hat, ist auf diesem Foto vereint. Nicht, dass das auf anderen Fotos nicht der Fall wäre, aber ich mag ihren Gesichtsausdruck, der einem beinahe verschwörerisch zuzwinkert. 

 

Im Sommer 2022. Ohne KI. Liebe dich sehr, Mama! 

Und dann hab' ich die KI für Bildbearbeitung entdeckt und war geflasht von den Möglichkeiten auf einen Klick. Was dazu geführt hat, dass zunächst das Ebook und das Taschenbuch einen anderen Anstrich bekam. Wortwörtlich. Denn Farbe ist ein größerer Hingucker als eine Schwarzweißaufnahme, so schön sie auch ist. Das Cover zeigt jetzt Mama als "reife" Frau, die ihr kleines Ich im Arm hält. Beide sitzen auf einer bunten Blumenwiese mit Margariten, Klatschmohn und Kornblumen im Sonnenuntergang, und ich glaube, das gefällt Mama sehr! Ist sie doch so eine große Naturfreundin.

 

 

Ehrlich, ich habe geweint, als ich das Ergebnis der beiden Fotos nach der gewünschten Komposition sah. Und war auch verblüfft, wie ähnlich sich Mama sieht, sowohl als Kind als auch Erwachsene. Denn das genau zu treffen, ist für die KI dann doch oft etwas tricky. Sogar das geliehene Schildkröt-Püppchen vom Kindergarten hatte Platz auf dem Cover. Ich bin echt gespannt auf das Original. Autorenexemplare habe ich mir erst bestellt und muss also noch ein Weilchen warten, bis ich die Bücher in den Händen halten kann. 

Auf mein Lieblingsbild wollte ich dennoch nicht verzichten. Wie erstaunt war ich, als ich feststellte, dass Kolorieren zu den leichtesten Übungen der KI gehört... ich weiß, dass Mamas selbstgenähtes Blazerkostüm dunkelgrün war, und mehr brauchte meine künstliche Intelligenzbestie nicht zu wissen. Die Schrift, die irgendwie an Bücher der 1970er Jahre erinnert (was dann ja auch passend ist) und eine Vignette habe ich hinzugefügt, und fertig war das neue Cover für die gebundene Ausgabe. 

 



Edel sieht sie aus, oder? Ich werde ein paar der Exemplare wieder ins Bücherland bringen, und ich durfte sogar meinen Grafen dort auslegen. Er scheint allerdings durch seinen Umfang etwas abzuschrecken. Aber ach, ich freue mich, dass die netten Mädels mir die Möglichkeit geben. Leider liegen meine Romane ja nicht in jeder Buchhandlung aus. 


 

Sonntag, 2. November 2025

Gedicht nach dem 23. Psalm

 

Mein Hirte, er kennt meinen Namen
Wo ich hingeh', gibt's keine Dramen
Er ist der Quell des Lebens
Keiner kommt zu ihm vergebens 

 




Durst und Hunger quälen uns nicht mehr
Wenn wir wandeln neben ihm her
Auch Angst und Schmerz verschwinden
Lassen wir uns von ihm finden

Wenn Andere über uns lachen
Wird er uns ein Ställchen machen
Wir wissen uns sicher und geborgen
In seiner Gegenwart vergehen alle Sorgen

Auf seinen guten Wegen
Gewinnen wir dann neuen Segen
Die Stätte, die er uns verspricht
Ist wunderschön und mitten im Licht

Text und Bild: Christine Wirth 

 

 

Donnerstag, 30. Oktober 2025

Das Mädchen Friederike ~ Ines Widmann

Vor kurzem habe ich in einem Bücherregal gestöbert, das ich immer nur im Vorbeifahren sehe. Mitnehmen wollte ich eigentlich nichts, nur mal schauen. Zeit zum Lesen habe ich nicht mehr viel, und auch die Muße nicht, wenn ich ehrlich bin. Doch sehr zu meiner Freude fand ich drei alte Mädchenromane plus ein neuerer Roman über die Titanic. Ich muss dazu sagen, dass ich alte Bücher liebe. Nicht so sehr wegen der Sprache und den oft etwas umständlich erzählten Geschichten, sondern wegen der griffigen Haptik und der Covergestaltung. Das älteste ist kartoniert wie einst mein geliebter Wassermann von Otfried Preußler. So sieht es aus:

 


  

Mama hat ähnlich gemalt als Jugendliche, und die warmherzige Friederike ist ihr tatsächlich etwas ähnlich. Das Buch spielt in den späten 1950er Jahren, erschienen ist es 1963. Friederikes beste Freundin heißt sogar Elvira und ist dunkel "wie eine Zigeunerin" (Ups!). Wieder eine Referenz an Mama... 

Inhalt: Laura Niedling hat vor kurzem ihren Mann verloren und ist mit 65 Jahren auf sich allein gestellt. Ihre Ehe blieb kinderlos, und zu den Nachbarn hat sie aus Gründen keinen Kontakt. Da fällt ihr ein, dass der nach Kanada ausgewanderte Neffe ihres Mannes eine Tochter hat, die im Waisenhaus lebt. Sie macht Friederike ausfindig und möchte sie adoptieren, damit sie im Alter und im Haushalt Hilfe hat, aber auch, um nicht mehr allein zu sein. 

Friederike hat ein sonniges Gemüt, beim Lachen ein Grübchen in der Wange und tut ihr Bestes, um ihre Großtante zu unterstützen. Doch sie merkt auch, dass Tante Laura nicht ganz unschuldig ist daran, dass die Nachbarn sie meiden und sie ihre Isolation selbst gewählt hat. Nach und nach verändert sich das Zusammenleben zwischen den beiden und den Nachbarn, ohne dass Tante Laura es wirklich merkt. Denn Friederike ist pfiffig, hegt aber keine deutlichen Absichten, die Tante zu mehr sozialen Kontakten zu bewegen. Ihre Bemühungen, die dazu führen, sind eher zufällig. Oder ihre Gebete spielen eine Rolle, denn oft ist sie nicht gerade glücklich bei Tante Laura, hat es ihr im Waisenhaus bei all den anderen Mädchen, Elvira und der lustigen Tante Marta doch viel besser gefallen.

 

Herr Meier muss ein Setter sein...

 Meinung: Ich weiß nicht so recht, wie anfangen, so berührt hat mich die Geschichte auf mehreren Ebenen. Erst einmal Friederikes Ähnlichkeit zu Mama, die in derselben Zeit aufgewachsen und auch so alt ist wie die Romanheldin. Auch mag ich Bücher aus der Zeit, weil sie sich mit vielem decken, was die Eltern erzählt haben: Die Küche als einziger Wirk- und Wohnbereich, da die übrigen Zimmer nicht beheizt wurden, "Kinoabende" bei den Nachbarn in der Siedlung, die schon ein TV-Gerät hatten, und die Verantwortung im Haushalt, selbst wenn man erst zehn Jahre alt ist. 

Ich habe ein Faible für die 1950er bis 1970er Jahre, und "Friederike" lässt die 1960er richtig aufleben. Den Obstgarten und das idyllische Haus "Höhenruh", ihr neues Daheim, konnte ich fast riechen und besichtigen.

Friederike ist für Tante Laura fast so etwas wie der kleine Lord Fauntleroy für seinen eigenbrötlerischen Großvater, aber viel subtiler und frei von Kitsch. Manchmal hatte ich beim Lesen Tränen in den Augen. Ich mochte die unerschrockene, burschikose Friederike, die sich nie unterkriegen lässt, und die vor lauter Einsamkeit bei der einengenden Tante unerlaubt an einem Preisauschreiben teilnimmt, bei dem man einen Hund aus dem Tierheim gewinnen kann - undenkbar heutzutage! Sie ist mutig, hilfsbereit, freundlich, unvoreingenommen, aber sie erkennt Ungerechtigkeit gegen sich und gegen andere, und ist bereit, zu handeln. Auch ihrem neuen Freund Max hilft sie aus der Patsche, als er seinem Ferienjob aufgrund einer Verletzung nicht nachkommen kann. Und natürlich ist da noch Elvira, ihre kleine Schutzbefohlene, der sie ein Versprechen gegeben hat...

Für mich ist "Das Mädchen Friederike" ein Kleinod. Eine herzerwärmende Geschichte, die wohl nur noch antiquarisch zu erwerben ist. Oder auf Bücherflohmärkten und in öffentlichen Regalen. Für mich als kleine Nostalgikerin ein Glücksgriff.

Bewertung:  💫💫💫💫💫

 

 

Freitag, 24. Oktober 2025

Gedicht vom Paradies


 
Im Paradies kuscheln der Löwe und das Lamm
Es gibt kein Bad Hair Day und keinen Kamm
Menschen streicheln Bären, Wölfe und Tiger
Auf Reisen steigen sie weder in Busse noch Flieger
 
 

 
 Sie beamen sich von Ort zu Ort
Bewegen sich wie Engel fort
Die Zeit, man sagt sie gibt's dort nicht
Doch jeder hat sie, ohne Pflicht 
 
In größter Harmonie sind wir vereint
Ob Mensch ob Tier, und keiner weint
Alle Wesen dieser Erde
sehnen sich dass dies bald werde
 
 
 
 


Donnerstag, 16. Oktober 2025

Meine Eltern Elvira und Werner

Es ist an der Zeit, ein bisschen etwas über meine wundervollen Eltern zu erzählen, die ich sehr liebe und auch bewundere. Nicht nur, weil sie mich gut erzogen haben (😊), sondern, weil sie ein sehr bewegtes Leben hatten schon bevor sie sich gefunden hatten. Meine Mama und mein Papa trennt ein Tag voneinander, und das ist gut so, denn Mama hätte keinen Partner akzeptiert, der jünger ist als sie... 😁

Wir mussten / durften nur zweimal im Jahr Geburtstag feiern, und das meist ohne große Party und Tamtam. Später waren die beiden oft im Urlaub, um in aller Stille zu feiern. 

 

Wanderung im April 2023

Kennengelernt haben sie sich als Kinder, doch wirklich gefunkt hat es dann an ihrem 18. Geburtstag, der von gemeinsamen Freunden ausgerichtet wurde. Ein bisschen klingt ihre Verbindung wie im Märchen, auch wenn sie gewiss wie alle Beziehungen neben den Höhen auch ihre Tiefen hatte. Ihre erste gemeinsame Wohnung hatten sie in Rosenheim, wo Papa am Holztechnikum studiert hat. Seitdem zog es sie immer wieder nach Oberbayern. Schade, dass sie nicht dort geblieben sind, denn auch wir Kinder lieben bayerisches Flair und die Berge. 

Meine Mama war das älteste von vier Kindern und musste auf die jüngeren Brüder aufpassen. In den 1960er Jahren zog sie in den Ort, in dem Papa wohnte. Laut eigenen Angaben war sie ein schüchternes, aber umschwärmtes Mädchen (was ich verstehen kann!), das Selbstbewusstsein erst lernen musste. Irgendwann als junge Erwachsene sagte sie sich, dass sie sich ändern möchte. Nicht mehr zu allem schweigen, peinlich berührt sein, schüchtern, brav und angepasst. 

Sie hat erneut zu Jesus gefunden, den sie bereits als Vierjährige in der Sonntagsschule als ihren Heiland angenommen hat. Ihr neu entfachter Glaube hat sie auf den Weg gebracht, sich für Menschen zu interessieren, ihre Geschichten anzuhören und sich mit Naturheilkunde und gesunder Ernährung zu befassen, was der Familie und auch anderen zugute kam. Ihr profundes Wissen auf diesem Gebiet fehlt mir unheimlich. Seit sie nicht mehr da ist, bin ich stressbedingt leider wieder häufiger krank, gerade in der kalten Jahreszeit. Glücklicherweise hat sie uns einiges mitgegeben, doch die Intuition, die Mama hatte, wenn es darum ging, Hausmittel anzuwenden, geht mir abhanden. 

 

Mama mit ihrem kleinen Ich (Gemini)

 

Angeeckt ist sie hin und wieder mit ihrer "radikalen" Einstellung zu Jesus und zum Glauben, und auch ihre Meinung zu anderen Dingen war nicht unbedingt populär, aber oft progressiv wie das Thema Ernährung, das sie schon in den frühen 1980er Jahren fasziniert und praktisch umgesetzt hat. Sie hat sich nie beirren lassen und vielen Menschen von Gott erzählt. Allein deswegen hat sie bestimmt einen besonderen Platz im Himmel und den schönsten Garten, mit Bergen und einem See, in dem sie baden und schwimmen kann. Da war sie unerschrocken. Egal, wie kalt das Wasser war, sie sprang hinein. Das gilt nicht nur im buchstäblichen Sinn. Mutig hat sie jedes Problem ("jede Herausforderung", sagt sie) angepackt und nach Lösungen gesucht. Sie war ein bisschen unser "Aushängeschild", das gern mit Menschen zusammen war, kommunikativ, kreativ und gern in Gesellschaft. In der elterlichen Wohnung blieben die Gäste manchmal jahrelang, weil sie sich so wohlfühlten, und weil Mama ihnen das Gefühl gab, daheim zu sein. Für uns Kinder war das nicht immer einfach, aber wir konnten uns später in unsere eigene Wohnung zurückziehen. Ich vermisse die Zeit sehr, in der immer Leben in der Bude war. Unser Haus - der ehemalige Laden - sei still geworden, sagen uns Freunde. Und sie haben recht. Wir versuchen, klarzukommen, doch es fällt uns schwer ohne Mama. Immer noch. Sie war es auch, die den Rest der Familie für den Glauben gewinnen konnte. Dafür sind wir ihr unendlich dankbar, auch wenn es in Anbetracht der letzten zwei Jahren schwierig war, das Vertrauen in Gott zu behalten. Aber wir werden uns wiedersehen und belohnt werden, das steht außer Zweifel.

 

Papa und der kleine Prinz (Gemini)

 

Papa und wir Kinder sind uns in den zwei Jahren näher gekommen. Das war eine Erfahrung, die uns trotz allem Schmerz und tiefer Trauer gutgetan und Trost gegeben hat. Er ist dankbar, dass wir uns um den Haushalt kümmern, denn als "kleiner Prinz", der er von Kindesbeinen an war, sind Männersachen für ihn besser zu bewältigen als Kochen, Putzen und Wäschewaschen. Als Schreiner war er nicht nur zeitlebens unser Handyman, wenn etwas kaputtging, sondern ist verantwortlich für Finanzen und Geschäftliches. Das ist bis heute so, obwohl wir wissen, dass wir uns auch mal damit beschäftigen sollten. Wenn Papa ein Hobby hat, das er nicht mit Mama teilt(e) wie Wandern, ist das sicher seine Vorliebe für Autos im Allgemeinen und BMW im Besonderen. 

Als Mama in den 1970ern einen Bastelladen eröffnete, stieg Papa nach seinem Beruf als Monteur und Vertreter einer Sägewerksfirma mit ein und erweiterte die Modellbau-Abteilung, um dort kompetent beraten zu können, wenn es um ferngesteuerte Schiffe, Segelflugzeuge und Benziner ging. Noch heute erinnert man sich an ihn am Ort liebevoll als den "Herrn Bastelwirth". Die Autos, die er fuhr, darunter vor allem Dienst- und Leasingwagen, kann er nach Jahr und Urlaub einordnen. Wenn wir eine Anekdote erzählen oder ihm ein Foto zeigen, heißt es meist: "Da hatten wir den gelben Mercedes, dann muss das in Anzère gewesen sein." Darüber haben wir uns immer köstlich amüsiert.

 

Im Schwarzwald, Mitte der 1960er.

 

Man hat so seine Familiengeschichten. Ich merke, dass ich mich häufig in diese Nostalgie hineinflüchte, seit Mama fort ist. Wir hatten so viele schöne Jahre zusammen, dass es wie ein Schock kam, wie abrupt sie endeten. Meine Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit ist manchmal nahe daran, zu kippen, weil ich finde, dass es doch recht früh war. Vor allem, wenn ich bedenke, wie gern Mama 120 Jahre alt werden wollte. Es tut weh, daran zu denken. Ich hoffe, dass wir Papa noch lange haben und wir so weit es geht glücklich sein können. 

Anmerkung: Die Fotos von den Eltern als Erwachsene mit ihren kindlichen Ichs sind unter Verwendung von Familienaufnahmen und Gemini entstanden (ich bin KI gegenüber nach wie vor skeptisch, aber fasziniert von den Möglichkeiten, die sie bietet).